Verbreitung

Aktivitäten (Stand 15. Oktober 2015)

Liebe Unterstützer_innen des Care-Manifests,
wir möchten über die aktuellen Aktivitäten und Vorhaben der Initiativgruppe CareMachtMehr informieren.

1. Verbreitung des Care-Manifests und Resonanzen

Inzwischen wurde das Care-Manifest, das im Schneeballsystem verbreitet wurde, von mehr als 1.200 Menschen unterzeichnet. Sehr viel mehr Menschen aber ist es bekannt, wie wir an vielfältigen Reaktionen aus der Politik, den Medien, den Wohlfahrtsverbänden,  der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft bemerken. Auch wenn wir also von den ca. 200 Multiplikator_innen, an die wir das Manifest im Spätherbst 2013 gezielt geschickt haben, damals oft keine direkten Reaktionen bekommen haben, scheint es von vielen zur Kenntnis genommen worden zu sein. Und nicht nur das: Wir haben häufig offene Türen eingerannt. Denn wir waren offensichtlich nur diejenigen, die die vielerorts schmerzlich zutage tretenden Probleme rund um Care in einem kurzen Papier gebündelt, der Öffentlichkeit so leichter zugänglich gemacht und auf den Punkt gebracht haben. Inzwischen haben wir den Eindruck, dass die Care-Frage in der Gesellschaft angekommen ist. Sehr viel seltener als noch vor zwei Jahren müssen wir unserem Gegenüber erklären, worum es uns geht und worin überhaupt das Problem besteht.

Dennoch: Wie nicht anders zu erwarten, gibt es bislang wenig Resonanz aus der etablierten Politik und seitens der Mainstream-Medien. Dabei zeigt es sich weiterhin als Problem, dass der Begriff ‚Care‘ häufig nicht in seiner Breite und Komplexität verstanden wird. Manche scheinen darunter nach wie vor ausschließlich ‚Pflege‘ zu verstehen. Aber selbst wenn ‚Care‘ (etwa von zuständigen politischen Stellen) umfassend begriffen wird, haben die Verantwortlichen oft Schwierigkeiten, unser Anliegen in ihrer Organisation zu adressieren. Denn diese ist meist in ihre jeweiligen Fachressorts aufgeteilt – damit sind wir dann wieder beim Kern des Problems: Das Ineinandergreifen der Krisenphänomene in den Bereichen Erziehung, Betreuung, Pflege, Versorgung und Selbstsorge wird erst dann wirklich sichtbar, wenn diese zusammengedacht werden und wir Care als ein System begreifen. Von diesen grundlegenden Schwierigkeiten lassen wir uns jedoch nicht entmutigen, wir betrachten sie vielmehr als Herausforderung. Denn wenn auch nur punktuell, registrieren wir auf politischer Ebene ein zunehmendes Bewusstsein und sogar Bewegung. Dass die gesellschaftliche Bedeutung von Care-Arbeit zunehmend gesehen wird, wenn auch nur in bestimmten selektiven Ausschnitten, zeigt sich besonders deutlich im sogenannten Erzieher_innenstreik, sowie – in aller Widersprüchlichkeit – im Umgang mit den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen.

2. Welche Aktivitäten haben stattgefunden?

In den zurückliegenden zwei Jahren haben wir die Care-Thematik bei einer Vielzahl von Vortragsveranstaltungen, Tagungen und Kontakten mit Öffentlichkeit und Politik sowie durch Publikationen aufgegriffen und die Initiative CareMachtMehr bekannt gemacht. Ein Schwerpunktheft zu Care und Sozialer Arbeit erschien in der Zeitschrift Sozial Extra.

An vielen Stellen wurde das das Care-Manifest veröffentlicht und erläutert, die von den Feministischen Studien (Heft 2/13) über die ‚Stimme der Familie‘ bis zum Handbuch ‚Zukunft der Kindereinrichtungen‘ reichen. Einen ganz genauen Überblick haben wir nicht, denn im Internet verselbständigen sich die Informationen rasch. Weiterhin vernetzen wir uns mit verwandten Initiativen wie etwa der Care Revolution.

Hervorzuheben sind folgende Aktivitäten:

  • Der Aktionstag zum ‚1. Mai –Tag der unsichtbaren Arbeit‘ wurde 2014 von uns in München angestoßen und verbreitete sich 2015 bereits an andere Orte im Bundesgebiet. Leider lässt die entsprechende Presseresonanz noch zu wünschen übrig. Inzwischen geht immerhin das Foto der Statue von Ida Schumacher auf dem Münchener Viktualienmarkt mit Putzeimer und Parole, das Birgit Erbe während des Aktionstages im Mai 2104 geschossen hat, um die Welt: Es findet sich nicht nur auf der Zeitschrift Sozial Extra mit dem Schwerpunkt Care und Soziale Arbeit, sondern ist jetzt zum Cover-Foto des Septemberheftes 2015 der Zeitschrift „Global Dialogue“ geworden und dient auch als Wiedererkennungslogo für die Care-Veranstaltung auf dem kommenden Weltkongress der International Sociological Association in Wien im Juli 2016.
  • Im Oktober 2014 und Mai 2015 haben zwei Veranstaltungen zu „Caring Communities“ stattgefunden, die unterstützt wurden durch Mittel aus dem Programm ‚Sociology goes public‘ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) sowie der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung in der DGS und der Kommunalpolitik. Dabei wurde mit lokalen Vertreter_innen aus den verschiedenen Carebereichen im niederbayerischen Vilsbiburg sowie in der Großstadt München über die aktuelle Care-Situation vor Ort diskutiert. Es wurden Verbindungslinien und gemeinsame Anliegen zwischen unterschiedlichen Care-Bereichen sowie zwischen professionellen und eherenamtlichen Care-Tätigkeitsfeldern herausgearbeitet, siehe auch: Thiessen 2015 (link). Eine weitere Veranstaltung in einer eher strukturschwachen bayerischen Mittelstadt ist derzeit in Planung.
  • Die Tagung ‚Was ist Care? Zwischen privater Liebestätigkeit und globaler Ausbeutung ‘, die am 12. /13. Juni 2015 in Kooperation mit dem Netzwerk Genderforschung und Gleichstellungspraxis Bayern (NeGG) an der Evangelischen Akademie Tutzing stattfand, thematisierte zahlreiche Fragen rund um die Care-Krise und machte sie als Politikum für ein größeres Publikum sichtbar (zum Tagungsbericht)
  • Aktiv beteiligt waren auch einige Mitglieder der Initiativgruppe bei der Gründung des Bayerischen Forschungsverbunds ‚Gender und Care. Dynamiken von Fürsorge im Kontext von Institutionen, Praxen, Technik und Medien in Bayern‘ (kurz: ForGenderCare), der aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst finanziert wird und im Sommer 2015 die Arbeit aufgenommen hat. Insgesamt werden zwölf Forschungsprojekte an Universitäten und Hochschulen in ganz Bayern mit über 3 Mio Euro für einen Zeitraum von 4 Jahren gefördert; die Disziplinen reichen von Medizin, Technik- und Ingenieurwissenschaften über BWL/Management, Pädagogik, Soziale Arbeit und Medienwissenschaften bis zur Geschichte, Soziologie und Philosophie (mehr dazu hier).
  • Am 1. September 2014 trat in Deutschland das Übereinkommen 189 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) „Menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte“ in Kraft. Dadurch sollen die Arbeitsbedingungen der weltweit über 50 Millionen Beschäftigten in Privathaushalten verbessert werden. Wir haben uns in diesem Zusammenhang am gemeinsamen Aufruf ‚Menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte‘ – ab 1. September 2014 auch in Deutschland? beteiligt, um die Umsetzung des Übereinkommens zu fordern.

3. Was ist geplant?

Unsere regionalen und überregionalen Aktivitäten gehen weiter – durch die Beteiligung an und Planung von Tagungen, durch Veröffentlichungen, durch Vorträge und Workshops, durch Pressekontakte und natürlich auch durch die vielfältige Thematisierung von Care-Anliegen in der täglichen Arbeit als Wissenschaftlerinnen, Lehrende und Multiplikatorinnen im Bildungsbereich.

Informelle Vernetzung untereinander soll künftig auch die lokalen Verbindungen stärken. So entsteht gerade (passenderweise in München) der erste Care-Stammtisch zum Austausch und zur Entwicklung weiterer Ideen (Kontakt: info@care-macht-mehr.com) – zur Nachahmung an anderen Orten empfohlen, ebenso wie Aktionen zum 1. Mai 2016.

4. Wie kann Unterstützung aussehen?

Wer die Initiative CareMachtMehr unterstützen möchte, kann das z.B. dadurch tun, dass das Care-Manifest bekanntgemacht und verbreitet wird. Einzelne Unterstützer_innen diskutieren das Thema bereits in ihrem Umfeld auf verschiedenen Veranstaltungen, und wir wünschen uns, dass das Schule macht – mit einem Publikum aus dem eigenen Care-Segment oder aus anderen Care-Feldern. So wäre es etwa möglich, einen Fachtag, eine Diskussionsveranstaltung, eine Aktion durchzuführen und sich dabei auf die Initiative Care.Macht.Mehr zu beziehen. Lokale Veranstaltungen erscheinen uns besonders dringlich, damit die Situation vor Ort und die drängendsten Care-Anliegen zusammengetragen und dokumentiert werden aus der gemeinsamen Sicht der jeweiligen Gesundheitsdienste, Selbsthilfegruppen, Mütter- und Familienzentren, Elterninitiativen, Kindereinrichtungen, Kommunen, Landkreisen, Beratungsstellen, Pflegediensten, Angehörigengruppen und vielen mehr. Ergebnisse solcher Veranstaltungen könnten konkrete Gestaltungsvorschläge und Forderungen sein, die in die politische Diskussion rund um das Thema Care hineingetragen werden können. Das sind nur einige Beispiele – andere Ideen sind willkommen.

Last but not least: Auch Spenden sind eine willkommene Unterstützung! Diese brauchen wir dringend, denn die Initiative arbeitet ehrenamtlich und jeden Monat fallen Kosten sowohl für die Pflege der Homepage als auch für die Betreuung des e-mail Kontos an. Daher bitten wir um Spenden. Am besten wäre ein regelmäßiger Beitrag, wenn wir nicht auf die Website verzichten wollen.

Wenn Sie Ihre Aktivitäten zur Care-Krise hier dokumentieren wollen, schicken Sie uns eine Mail (Kontakt: info@care-macht-mehr.com) mit den wesentlichen Angaben.